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TEAM DEISER: Christian & Stefanie

 

Interviewerin: Wir wollen heute ein wenig das WAS, WIE, und WARUM erörtern. Ich meine, warum um Himmels willen produziert man heutzutage Dosenbrot?

 

Stefanie: (lacht) Gute Frage!  Also, das „WAS“ hast du ja schon geklärt. Wir haben uns seit Herbst 2019 auf die Produktion von Dosenbrot spezialisiert. Die Leute glauben daher interessanterweise meistens, dass wir ein Konzern und kein Familienbetrieb in 2. Generation sind, der mit viel Leidenschaft an die ganze Sache herangeht.

 

I: Was denkst du, ist die Ursache dafür?

 

Stefanie: Wahrscheinlich ist die Dose daran schuld. Ich denke, die meisten Leute verbinden die Verpackungsform der Dose mit Massenproduktion und damit geht wohl auch die Assoziation eines Konzerns einher. Die Dose hat ohnehin ungerechtfertigter Weise einen schlechten Ruf.

 

I: Inwiefern?

 

Stefanie: Nun ja, Dosenessen oder Dosenfutter, wie manche es nicht besonders liebevoll nennen – das erstreckt sich ja auch auf den Bereich der Tiernahrung – hat über die Jahre eher einen schlechten Ruf entwickelt, dabei ist die Dose nichts anderes als eine alternative Aufbewahrungsform, die viele Vorteile bietet. Vor kurzem habe ich sogar von einem Braumeister gelernt, dass Dosenbier besser ist als Bier in der Flasche, weil es dunkel gelagert ist. Sowohl unsere Dosen als auch unser Brot unterliegen einer hohen Qualitätskontrolle, bei der Ökologie, Nachhaltigkeit und Regionalität eine große Rolle spielen.

 

I: Nachhaltig – ökologisch? Da könnte man dagegenhalten, dass ihr mit der Dose doch Müll erzeugt. Und sind Dosen überhaupt gesund? Geben die nicht Schadstoffe ab?

 

Stefanie: Ich sehe, da gibt es wohl einiges an Aufklärungsbedarf. Also unsere Dose ist aus Weißblech hergestellt und ihre Innenbeschichtung ist BPA-frei. Früher, also vor 20 Jahren oder länger, waren auch Dellen nach innen ein Problem, da die „Schweißnaht“ in der Dose damals aus Blei war und somit dann bei einer Verletzung der Innenbeschichtung, das Blei an das Produkt abgegeben hat.

Heut‘ zu Tage bestehen die Dosen aus Weißblech und somit sind Dellen kein Problem. Unsere Dosen haben zusätzlich eine BISPHENOLFREIE Innenbeschichtung.

Des Weiteren legen wir Wert d'rauf, dass unsere Dosen weiterverwendet werden, deshalb bieten wir unseren Kunden auch diverse Ideen zum Upcycling an, denn unser Brot ist mehr als nur Brot in der Dose. (Stefanie zeigt mir einige Fotos – die ich euch hier verlinken darf: (...... derzeit ist diese Seite leider noch under construction ....)

 

I: Das Stichwort Brot bringt mich zur Frage, was denn euer Brot nun so „besonders“ macht. Ganz ehrlich, das sagt ja jeder, dass sein Produkt besonders toll ist. Was soll man denn auch sonst sagen.

 

Christian: Ja, das stimmt – also, dass das jeder sagt. Aber unsere Zutaten sind dann doch ein wenig anders. Ich will ernährungs- und gesundheitsbewussten Menschen ein Brot anbieten, das ihnen gerecht wird. Brot hat ja was Urzeitliches, es hat den Menschen lange begleitet und ist eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, aber irgendwie hat es halt über die Zeit auch ein bisschen einen schlechten Ruf entwickelt. Also das es dick macht, Lebensmittelunverträglichkeiten etc. Immer mehr Menschen wollen sich daher bewusst ernähren und wissen, was in ihrem Brot drinnen steckt, daher ist es mir extrem wichtig, ursprünglich zu arbeiten.

 

I: Ursprünglich, wie meinst du das? (jetzt lache ich) Du bietest Brot in der Dose an? Das würde ich jetzt nicht gerade ursprünglich nennen!

 

Christian: Trennen wir mal das Brot von der Dose. Unser Brot enthält keine Zusatzstoffe. Es wird mit Sauerteig gemacht und nicht mit Hefezusatz, es enthält zu mindestens 90 % Rohstoffe aus Österreich. Unser Getreide kommt zum Beispiel von niederösterreichischen Landwirten. Es handelt sich dabei um steinmetzgereinigtes Getreide, das bei uns schonend vermahlen wird.

 

I: Als Laie sagt mir das jetzt ehrlich gesagt gar nix. Was ist denn der Unterschied zwischen Sauerteig und Hefe. Und was bitte, ist steinmetzgereinigtes Getreide – Getreide ist Getreide, oder?

 

Christian: (schüttelt seinen Kopf) Also wir beziehen unser steinmetzgereinigtes Getreide von der Assmann Mühle. Das Korn wird dort gebürstet und gewaschen, dabei wird praktisch die erste Schicht abgetragen. Das Getreide enthält durch diesen Reinigungsprozess nachweislich weniger Schadstoffe, Bakterien und Pilze, auch der Anteil an Bitterstoffen wird reduziert.

Und der Unterschied zwischen Sauerteig und Hefe, eigentlich muss man ja Hefezusatz sagen. Also Sauerteig ist etwas Natürliches. Er besteht aus Mehl, Wasser und lebenden Mikroorganismen. Durch die Zeit, die er zum Reifen braucht, entstehen Milchsäure- und Essigsäurebakterien sowie Natürliche-Hefe. All das hilft beim Brotbacken und hat sehr viele Vorteile, unter anderem die bessere Verträglichkeit im Vergleich zum Hefezusatz, der künstlich hergestellt wird.

 

Stefanie: Und dann ist da eben noch unsere Art und Weise zu produzieren. Christian verfeinert laufend die Rezepturen und wir versuchen unsere Transportwege laufend zu optimieren, um den ökologischen Fußabdruck unserer Produktion so gering wie möglich zu halten. Unsere Produktionshalle wurde mit Herbst 2018 zu 100% energieautonom und damit waren wir zu dieser Zeit der einzige Bäckerbetreib in ganz Europa.

 

I: Okay, das ist schon beeindruckend. Aber warum Brot in der Dose? Wie kommt man auf so eine Idee? Ihr habt gesagt, als Ihr 2019 damit angefangen habt, dass in Österreich seit über 20 Jahren kein Dosenbrot mehr produziert wurde. Warum fängt man mit sowas wieder an?

 

Christian und Stefanie werfen sich einen Blick zu.

 

Stefanie: Ist es okay, wenn ich vor der Dose noch was zum Christian sag'?

 

I: Ja, sicher.

 

Stefanie: Also, Christian hatte bereits in jungen Jahren ein außergwönliches Hobby: Autorennen mit Elektroautos. Da hat er, mit seinem Team beim Austro-Solarrennen teilgenommen und damals, in den 1980gern aus Dingen, die sonst im Müll gelandet wären, einen orangefarbenen Trabanten zu einem Elektroauto mit Drehstrom umgebaut. Von mehreren 100 Teilnehmern machte er damals Platz 6. Und als er den Familienbetrieb übernommen hatte, hat er dann mit der Wärmerückgewinnung aus den Backöfen Warmwasser produziert.  Christian hat immer solche Ideen und da ist er dann relativ stur. Er kauft dann auch oft Maschinen, die nicht für Bäckereibetriebe gedacht sind und baut sie um – er tüftelt, modelt und baut um.

Er wollte sich halt immer irgendwie spezialisieren und der erste mit etwas neuem am Markt sein. Aber eben so natürlich wie möglich, so ursprünglich wie möglich, auch wenn mit der neuesten Maschinentechnik. Ein Mitarbeiter von uns hat ihm dann irgendwann den Namen MAC DEISER verpasst, ich denke, das beschreibt ihn ganz gut.

 

Christian: (lacht) Ich kann nix dafür, ich tüftle halt gerne. Und unser Brot hatte damals – also das Schnittbrot, das wir produzierten – ein Problem. Da das Brot, als auch die Verpackung keine Zusatzstoffe enthielten, die das Brot länger haltbar machten, war es im Sommer gerade mal nach 4 Tage durch. Das hat mich genervt, sehr sogar. In der Dose hält das Brot einfach urlange und das ganze eben ohne Zusatzstoffe. Es ist immer verfügbar, egal wo, egal wann, und egal mit wem du ein Stückl Brot essen magst. Ich wollte ein Brot, das halt mehr kann.

 

I: Also ich mag auf alle Fälle euren Schokokuchen immer essen! Ihr macht ja nicht nur Brot in der Dose, sondern auch Süßes.

 

Stefanie: (lacht) Ja, der Schokokuchen, den mögen wirklich viele. Bei manchen hält er grad mal bis zur nächsten Straßenecke und dann drehen sie um und kommen nochmals (lacht).

Auf alle Fälle wollten wir etwas Vernünftiges und Produktives machen. In unseren Produkten steckt sehr viel Liebe zum Detail. Wir machen das Ganze halt auch aus einem gewissen Idealismus und aus einer Überzeugung heraus.

 

I: Und wie ist bei euch die Arbeitsteilung? Also das Foto ..... (schüttelt den Kopf und lacht)  ..... (siehe unten)

 

Stefanie: Genau, Christian sprengt Sachen in die Luft und ich bring es dann wieder in Ordnung. (lacht). Nein, also Christian entwickelt die Produkte und das eben mit viel Kreativität und Tüftelei und ich kümmere mich um das ganze Rundherum. Das Foto, na ja eigentlich die Fotomontage von einer lieben Freundin, die sie spaßhalber erstellt hat, weil sie so auch so eine Kreative ist, ist eine gute Metapher dafür, dass wir irgendwann aufgehört haben, uns tierisch ernst zu nehmen und uns dafür entschieden haben, uns zu zeigen, wie wir sind – also wie wir ticken, und irgendwie hat das dann den Nagel auf den Kopf getroffen. Liebe zum Detail, ein Schuss Kreativität und Verrücktheit und ganz viel Mut – das macht uns beide aus! Und da kann man schließlich nix anderes machen als ein Brot, das immer für einen da ist!

 

 

(Foto: AI genereated)
Bäckereimeister & Zuckerbäckermeister Christian Deiser - aka: Dosentüftler
Mag. Stefanie Haslinger - aka: Office Survivor

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